Evangelische Landeskirche

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    1. Die Entstehung der Landeskirche

    Das Gebiet der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist - mit einigen Veränderungen - das des Königreichs und nachmaligen Landes Württemberg. Das evangelische Kernland ist das Herzogtum Württemberg, das durch die napoleonischen Umwälzungen am Anfang des 19. Jahrhunderts zum Königreich umgeformt wurde. Diese Verwandlung vollzog sich in zwei Schüben, nämlich der Säkularisation 1802/03 und der Mediatisierung 1806.


    Durch die Säkularisation 1802/03 erhielt der Herzog von Württemberg als Entschädigung für die verlorenen Gebiete links des Rheins eine Anzahl vormals geistlicher Herrschaften, durch die das seither evangelische Land nun auch katholische Bürger erhielt. Zu Württemberg kamen aber gleichzeitig auch evangelische Gebiete, vor allem eine Anzahl von Reichsstädten.

    Die neuen Lande wurden jedoch nicht mit den alten vereinigt, vielmehr wurde ein Doppelstaat gebildet (Altwürttemberg und Neuwürttemberg), der seine Einheit lediglich in der Person des Fürsten hatte. Der seitherige Herzog Friedrich nahm 1803 den Titel eines Kurfürsten an. Eine Kirchenleitung für die evangelischen Gebiete Neuwürttembergs wurde mit dem Oberkonsistorium in Heilbronn gebildet.

    Durch das Bündnis mit Napoleon 1805 und den Beitritt zum Rheinbund 1806 erhielt Württemberg weiteren Gebietszuwachs. Der seitherige Kurfürst nahm am 30. Dezember 1805 als Friedrich I. die Königswürde an und vereinigte Altwürttemberg mit Neuwürttemberg. Durch die Mediatisierung kamen 1806 weitere Gebiete unter württembergische Souveränität. Nach Abschluss von Ausgleichsverhandlungen mit den Nachbarstaaten, die 1810 abgeschlossen waren, hatte das Königreich Württemberg seine territoriale Gestalt erreicht, die - mit einigen seither eingetretenen Änderungen - auch das Gebiet der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ausmacht.

    Die evangelischen Territorien des Alten Reichs, aus denen das Königreich Württemberg gebildet wurde, sind das Herzogtum Württemberg, der größte Teil des Fürstentums Hohenlohe, die Grafschaft Limpurg, ein Teil der ehemaligen Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach um Crailsheim, ferner die Besitzungen der Ritterschaft innerhalb des Königreichs, wozu auch das evangelische Damenstift Oberstenfeld gehörte, sowie die Reichsstädte Aalen, Biberach an der Riß, Bopfingen, Esslingen, Giengen an der Brenz, Heilbronn, Isny, Leutkirch, Ravensburg, Reutlingen, Schwäbisch Hall und Ulm. Einige dieser evangelischen Reichsstädte hatten katholische Minderheiten; Biberach und Ravensburg waren seit dem 16. Jahrhundert paritätisch.

    Zur württembergischen Landeskirche gehört nominell seit 1950, tatsächlich aber schon seit 1945, auch Hohenzollern, das bis dahin der Kirche der preußischen Rheinprovinz zugeordnet gewesen war, wenn es auch in diesem Rahmen eine gewisse Sonderrolle gespielt hat. Ferner gehört seit 1968 die ehemalige Reichsstadt Bad Wimpfen, die 1802/03 an Hessen-Darmstadt gefallen war, seit 1968 zur Landeskirche. Zuletzt sind noch einige badische Exklaven zu nennen, die zwischenzeitlich noch dazugekommen sind, nämlich Schluchtern 1974 und Ruchsen 1976.

    2. Geschichte der Landeskirche im 19. und 20. Jahrhundert

    Die 1,3 Millionen Einwohner des Königreichs waren zu 2/3 evangelisch und zu 1/3 katholisch. Das Land teilte sich bis zu den Bevölkerungsumwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg im Wesentlichen ein in das katholische Oberland und das evangelische Unterland. Im Bereich der jeweils anderen Konfession gab es schon immer Diasporagemeinden. Die kirchliche Versorgung der wachsenden evangelischen Diaspora im Oberland konnte im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut werden. Die Reformierten machten lediglich eine Minderheit aus, die 1823 in die evangelische Landeskirche eingegliedert wurde. Der König blieb Oberhaupt der evangelischen Landeskirche. Das Konsistorium, das die Landeskirche leitete, war eine Staatsbehörde. Das evangelische Kirchengut war 1806 säkularisiert worden, wogegen der Staat für die finanziellen Bedürfnisse der Kirche aufzukommen versprach.

    Im Rahmen der Staatskirche entfaltete sich im 19. Jahrhundert ein reiches, aus privaten Initiativen gespeistes Leben in Gemeinschaften, Vereinen und Einrichtungen der Inneren Mission. Ein weiteres großes Thema der Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts war die Schaffung von Vertretungsgremien für die Kirchenmitglieder. 1851 wurden Pfarrgemeinderäte eingerichtet, 1854 wurde die Bildung von Diözesansynoden ermöglicht, 1869 konnte die erste Landessynode zusammentreten. Ein Gesetz vom Jahre 1887 regelte die Trennung von bürgerlicher und kirchlicher Gemeinde und die Bildung von Kirchengemeinderäten, welche die Pfarrgemeinderäte ablösten.

    Durch die Abdankung König Wilhelms II. 1918 wurde die Trennung von Kirche und Staat eingeleitet, die zum 1. April 1924 in Kraft trat. Zu diesem Datum trat auch die heute noch gültige Verfassung der Landeskirche in Kraft. Oberhaupt der Landeskirche wurde der Kirchenpräsident, seit 1933 mit dem Titel Landesbischof. Dieses Amt hatte von 1929 bis 1948 Theophil Wurm inne, der mitten im Zweiten Weltkrieg die Einigung der evangelischen Kirchen in Deutschland anstrebte. Die Gründung der EKD konnte 1945 vorläufig und 1948 durch Verabschiedung der Grundordnung vorgenommen werden.

  • add Verwaltungsaufbau

    Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat heute 2,4 Millionen Mitglieder in rund 1.500 Kirchengemeinden. Leitung und Verwaltung der Landeskirche obliegt dem Evangelischen Oberkirchenrat, dem der Landesbischof vorsitzt. Die parlamentarische Vertretung der Mitglieder der Landeskirche ist die Landessynode, die direkt gewählt wird. Die Landeskirche ist eingeteilt in die Prälaturen Stuttgart, Heilbronn, Reutlingen und Ulm. Die Prälatinnen und Prälaten sind Mitglieder der Kirchenleitung. Den Prälatursprengeln ist jeweils eine Anzahl der insgesamt 51 Kirchenbezirke zugeordnet. Diesen steht jeweils eine Dekanin oder ein Dekan vor (Ausnahme: Der Kirchenbezirk Ravensburg ist in zwei Dekanate geteilt). Die Vertretung der Kirchenmitglieder auf der Ebene des Kirchenbezirks ist die Bezirkssynode. Die Kirchengemeinden werden zusammen von Kirchengemeinderat und Pfarrerin oder Pfarrer geleitet.

     

    Landeskirchenkarte mit den gegenwärtigen Kirchenbezirken, Pfarrbezirken und Kirchengemeinden

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