Neben den archivischen Kernaufgaben werden am Landeskirchlichen Archiv eine Reihe größerer Projekte bearbeitet, z.T. in Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen
Editionen
Eine kommentierte Edition der Briefe von und an Johann Albrecht Bengel (1687-1752) wird zzt. im Landeskirchlichen Archiv bearbeitet (Textedition und Anmerkungen von Dr. Dieter Ising). Bengel wirkte als Präzeptor an der Klosterschule Denkendorf, später als Prälat von Herbrechtingen. In den letzten Lebensjahren war er Mitglied des Stuttgarter Landtags und des Konsistoriums. Er trat als Textkritiker und Ausleger des Neuen Testaments hervor (u.a. Gnomon Novi Testamenti, 1742). Vor allem seine Schriften zur Heilsgeschichte (Berechnung des Tausendjährigen Reiches auf 1836) haben in Württemberg eine beachtliche Rolle gespielt.Die Edition der etwa 3000 erhaltenen Briefe geschieht im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus. Die Kommentierung erfolgt durch einen textkritischen und einen erläuternden Apparat. Fremdsprachige Briefe werden zusätzlich in deutscher Übersetzung geboten.
Bereits abgeschlossen werden konnte die Edition der Briefe von und an Johann Christoph Blumhardt (1805-1880). Die Korrespondenz des württembergischen Pfarrers und Seelsorgers, dessen seelsorgerliche und theologische Impulse bis heute wirksam sind, befasst sich u.a. mit den Themen Erweckung, Glaubensheilung, Theologie der Hoffnung. Die Edition wurde im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte im Landeskirchlichen Archiv bearbeitet. Sie umfasst 3895 Dokumente und bietet neben Blumhardts Briefwechsel auch Tagebuchnotizen, Auszüge aus Predigten und Gedichten sowie Dokumente aus dem Umfeld.
Johann Christoph Blumhardt, Gesammelte Werke. Reihe III: Briefe. Hg. und bearb. von Dieter Ising
Bd. 1 und 2: Frühe Briefe bis 1838, Texte und Anmerkungen. Göttingen 1993. 545 bzw. 690 S.
Bd. 3 und 4: Möttlinger Briefe 1838-1852, Texte und Anmerkungen. Göttingen 1997. 632 bzw. 500 S.
Bd. 5 und 6: Bad Boller Briefe 1852-1880, Texte und Anmerkungen. Göttingen 1999. 727 bzw. 532 S.
Bd. 7: Verzeichnisse und Register zu Bd. 1-6. Göttingen 2001. 232 S.
Württembergisches Pfarrerbuch
Die vom Verein für württembergische Kirchengeschichte übernommene Aufgabe, für das gesamte Gebiet der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ein Pfarrerbuch zu erstellen, wird mit dem Erscheinen der das Herzogtum Württemberg umfassenden Teilbände einen großen Schritt vorankommen. Wie bei den bereits erschienenen Teilbänden zu württembergisch Franken wird auch das württembergische Pfarrerbuch einen Ortsteil mit kurzen Angaben zur Geschichte der Pfarreien sowie einer Liste der vor Ort wirkenden Pfarrer enthalten, ferner einen Personenteil mit Nachweis der gesamten Familie, also auch den Kindern der Pfarrer, mit genauen Daten zum Lebenslauf. Überdies soll durch gezielte Literaturhinweise der Einstieg in weitere Forschungen erleichtert werden.
Erschließung und Digitalisierung des Schneller-Archivs
Gefördert durch die Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem in Baden-Württemberg e.V. wurde das sog. Schneller Archiv erschlossen. Der überaus wertvolle Bestand kam als Nachlass von Hermann Schneller zu Beginn der 90er Jahre in das Landeskirchliche Archiv. Der Nachlass enthält die Überlieferung des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem. Im Geiste des Neupietismus durch Johann Ludwig Schneller 1860 gegründet, entwickelte sich die Einrichtung rasch zur größten und wichtigsten Erziehungsanstalt des Vorderen Orients. Ihre Blütezeit fiel in die Spätphase der osmanischen Herrschaft in Palästina und die Anfänge der britischen Mandatszeit, d.h. die Jahre 1890 bis 1930. Die Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland und die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges bedeuteten das Ende des Syrischen Waisenhauses in den alten Formen, aber nicht das Ende der traditionsreichen Anstalt. Im Libanon und in Jordanien fand das Syrische Waisenhaus eine neue Heimat. Hier betreibt es noch heute Bildungseinrichtungen, die Schulen in Khirbet-Kanafar (Libanon) und Amman (Jordanien).
Der Bestand enthält wichtiges Archivgut zur Geschichte des Syrischen Waisenhauses, bedeutende Bibliotheksbestände (darunter mehrere seltene Zeitschriften) sowie einen umfangreichen Bestand historischer Fotografien (19. Jahrhundert bis ca. 1930). Mit finanzieller Unterstützung der Freunde der Hebräischen Universität sowie der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der Evangelischen Kirche wurde ein internetfähiges Findbuch des für eine Vielzahl von Forschungsrichtungen hochbedeutsamen Bestandes erstellt sowie die Langzeitarchivierung und Digitalisierung des Fotobestandes erstellt. Die historischen Fotografien und das Findbuch sind online abrufbar.