D 50 - Blumhardt-Archiv

Johann Christoph Blumhardt (16.7.1805–25.2.1880) aus Stuttgart, 1824 Theologiestudium an Stift und Universität Tübingen, mit dem Dichter Eduard Mörike befreundet, 1829 Vikariat in Dürrmenz, 1830 Missionslehrer in Basel, 1837 Pfarrgehilfe in Iptingen, 1838 Pfarrer in Möttlingen, 1852 Erwerb des Kurhauses Bad Boll und Gründung eines Seelsorgezentrums.

 

Außergewöhnliche Erfahrungen von Heilung seelischer und körperlicher Leiden durch Gebet, zuerst bei der seelsorgerlichen Begleitung der Gottliebin Dittus in Möttlingen, dann anlässlich der Erweckung seiner Gemeinde, setzten sich in Bad Boll fort. Dies und Blumhardts Seelsorge, seine schlichten Predigten und die darin zum Ausdruck kommende Hoffnung auf nahe bevorstehende Entwicklungen im Reich Gottes führten zu einem Ansturm von Besuchern aus dem In- und Ausland.

 

Nach seinem Tod übernahm der Sohn Christoph Friedrich Blumhardt („der jüngere Blumhardt“, 1.6.1842–2.8.1919) die Leitung des Kurhauses. Er ergänzte die individuelle Seelsorge des Vaters und setzte sich als Mitglied der SPD (seit 1899) für gesellschaftliche Strukturen ein, die dem kommenden Gottesreich angemessen sein sollten. Auf diese Weise wurde er zu einem der Väter des Religiösen Sozialismus.

 

In den 1960er Jahren reifte der Plan, eine Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Johann Christoph Blumhardt zu veröffentlichen. Zu diesem Zweck brachten die Angehörigen der Blumhardt-Familie gedrucktes und ungedrucktes Material, darunter weit über 2000 Briefe sowie Predigten, persönliche Dokumente und Bilder in die damals an der Württembergischen Landesbibliothek gegründete Blumhardt-Forschungsstelle. Unter Dr. Paul Ernst, der den Fundus durch Register, weitere Dokumente und aktuelle Fachliteratur ergänzte sowie eine Biographie Johann Christoph Blumhardts verfasste (zur Zeit erwägt ein Verlag die Herausgabe des Werkes), entstand das heutige Blumhardt-Archiv, nach dem Tod von Dr. Ernst (1991) betreut von Bibliotheksdirektor Dr. Eberhard Zwink. Mit Zustimmung der Blumhardt-Erben und der Württembergischen Landesbibliothek wurde es im Dezember 2010 in das Landeskirchliche Archiv Stuttgart überführt, das sich in der Zwischenzeit zum Schwerpunkt der Blumhardt-Forschung entwickelt hatte. Hier wird es unter der Signatur D 50 verwahrt.

 

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Inhalt des Bestandes

Quellen und Literatur zu Johann Christoph und Christoph Blumhardt (in Auswahl)

Johann Christoph Blumhardt (1805-1880)