B Neuwürttembergische Kirchenstellen

Die B-Bestände des Landeskirchlichen Archivs umfassen die Akten der aufgelösten hohenlohischen Kirchenstellen, so weit diese an das Landeskirchliche Archiv gelangten, und die Überlieferung von Behörden der Übergangszeit 1803-1807.

 

 

Den umfangsreichsten Teil der B-Bestände bilden die Akten der aufgelösten hohenlohischen Kirchenstellen. Die 1805 an das Königreich Württemberg gefallenen Besitzungen der Fürsten bzw. Grafen von Hohenlohe gehörten mit 1760 Quadratkilometern und 108.600 Einwohnern zu den bedeutendsten Erwerbungen Württembergs im Kontext der Mediatisierung. Das 1450 in den Grafenstand erhobene Haus Hohenlohe, durch Erbteilungen in zahlreiche Linien zersplittert, hatte sich nach 1548 der Reformation zugewandt und ein evangelisches Kirchenwesen aufgebaut. 1667 kehrte die Linie Hohenlohe-Waldenburg zum Katholizismus zurück und erreichte in enger Anlehnung an das habsburgische Kaiserhaus 1744 die Erhebung in den Reichsfürstenstand. Erst zwanzig Jahre später, 1764, gelang es auch der protestantisch gebliebenen Linie Hohenlohe-Neuenstein, in den Fürstenstand aufzusteigen. Die konfessionelle Spaltung des Hauses, politische Differenzen und die starke Zersplitterung des Besitzstandes verhinderten das Zusammenwachsen der Linien zu einer politisch gestaltenden Kraft. So wurde Hohenlohe 1806 durch Württemberg und Bayern trotz heftigen Widerstandes mediatisiert, wobei der überwiegende Teil an Württemberg, kleinere Teile (Hohenlohe-Schillingsfürst und Teile von Hohenlohe-Kirchberg) an Bayern fielen.

 

Das Oberkonsistorium Heilbronn entstand parallel zur Oberlandesregierung in Ellwangen. Für die neuwürttembergischen Gebiete zuständig, bestand das Konsistorium aus dem Landvogt, dem Landvogteigerichtsassessor sowie einem weltlichen und einem geistlichen Konsistorialrat. Gemäß der Instruktion vom 25. Juni 1804 (A 26, Bd. 156) umfasste der Geschäftsbereich der neuen Behörde die geistliche Gerichtsbarkeit, die kirchliche Oberaufsicht und die Kirchenpolizei, während die Pfarrer direkt vom Kurfürsten ernannt wurden. Dem Oberkonsistorium Heilbronn unterstanden die Dekanate Hall, Heilbronn, Aalen mit Giengen an der Brenz und Adelmannsfelden, Esslingen und Reutlingen. Am 1. Mai 1807 stellte die Behörde ihre Tätigkeit wieder ein.

 

Unbedingt zu beachten gilt es, dass die archivische Überlieferung der übrigen evangelischen Territorien und Reichsstädte, die bis 1810 im Königreich Württemberg aufgingen, sich nicht im Landeskirchlichen Archiv befindet. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der in A 29 verwahrten, im Konsistorium erwachsenen Ortsakten, die erst mit dem Zeitpunkt ihres Anfalls an das Kurfürstentum bzw. Königreich Württemberg einsetzen.

 

Das eben Ausgeführte gilt jedoch nicht für Brandenburg-Ansbach, auf das wegen seiner geschichtlichen Bedeutung und seiner komplizierten archivischen Überlieferungslage eigens einzugehen ist. Die Markgrafschaft gehörte zu den Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die sich früh der Reformation zuwandten. Bereits 1533 wurde durch Markgraf Georg die unter Mitwirkung Nürnberger Theologen erarbeitete Brandenburg-Nürnbergische Kirchenordnung eingeführt. Von 1603 bis 1769 existierten die fränkischen Besitzungen der Hohenzollern als zwei getrennte Sekundogenituren der brandenburgischen Kurlinie. Der Pietismus blieb sowohl in Brandenburg-Ansbach als auch in Brandenburg-Bayreuth eine theologische Strömung von untergeordneter Bedeutung, mit Ausnahme des dritten und vierten Jahrzehnts des 18. Jahrhunderts, als der Pietismus Zinzendorf´scher Prägung unter Markgraf Georg Friedrich Karl in Bayreuth Fuß fasste. Im Zeichen des staatlichen Absolutismus ist die Aufhebung der behördlichen Selbstständigkeit der Konsistorien zu deuten, die nach dem Übergang der fränkischen Besitzungen an Preußen (1791/2) zunächst der Regierung, dann der Kriegs- und Domänenkammer eingegliedert wurden. Im Jahre 1806 fiel Ansbach, 1810 auch Bayreuth an Bayern, das im Zuge eines Gebietsaustausches die (Ober-)Ämter Blaufelden, Crailsheim, Creglingen und Gerabronn an das Königreich Württemberg abtrat.

Die archivische Überlieferung Brandenburg-Ansbachs ist vor allem im Staatsarchiv Nürnberg, im Landeskirchlichen Archiv Nürnberg sowie im Staatsarchiv Ludwigsburg zu suchen. Die im Konsistorium Ansbach gebildeten Ortsakten der an das Königreich Württemberg gefallenen Städte und Dörfer befinden sich heute im Bestand A 29. Aufgrund der Dichte der z.T. bereits im späten 15. Jahrhundert einsetzenden Überlieferung kommt ihnen herausragende Bedeutung zu.