Deutsche im Heiligen Land

Der deutsche Beitrag zum kulturellen Wandel in Palästina 
 
Die vom Landeskirchlichen Archiv Stuttgart zusammen mit dem Verein für württembergische Kirchengeschichte erstellte Ausstellung ist vom 14. März 2015 bis zum 25. Mai 2015 in der Leonhardskirche in Stuttgart zu sehen.

 

 

Syrisches Waisenhaus in Jerusalem

Die Ausstellung wurde vom 13. März bis 5. Mai 2005 in Jerusalem (Evangelische Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg) gezeigt. Organisator war das Evangelische Pilger- und Begegnungszentrum der Kaiserin Auguste Victoria Stiftung und das Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, Partner die Deutsche Botschaft Tel Aviv. Die Ausstellung wurde im Rahmen des Jubiläums 40 Jahre Diplomatische Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland gezeigt.
Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag Palästina als Provinz des weit gespannten osmanischen Reiches am Rande des Interessenfeldes der europäischen Mächte. Nur die traditionellen Schutzmächte der lateinischen und der orthodoxen Christenheit, wie Frankreich und Russland, waren im Land präsent. Erst während der Reformzeit von 1839 bis 1878 öffnete sich Palästina und es begann das "Jahrhundert der Mission". Zahlreiche amerikanische, englische und deutsche Missionsgesellschaften kamen ins Land.
Die ersten deutschen evangelischen Missionare wurden 1846 von der Pilgermission St. Chrischona bei Basel nach Palästina geschickt. 1851 gründete die Kaiserswerther Diakonissenanstalt zunächst ein Hospital, später eine Schule in Jerusalem. Diese Missionare und Diakonissen stammten zu einem großen Teil aus Württemberg. Ab 1868 kamen deutsche Siedler in das Land, von denen ein großer Teil der Tempelgesellschaft angehörte, die sich aus dem württembergischen Pietismus entwickelt hatte.
Damit begann eine weitreichende und langfristig wirkende Aktivität vornehmlich württembergischer Missionare und Siedler.Diese waren mit ihrem aus der Missionstätigkeit entfalteten Engagement im Bereich von Bildung und Diakonie sowie Städteplanung, Landwirtschaft, Handwerk und beginnender Industrialisierung prägend für das Land. Nach 1918, während der britischen Mandatszeit, ging die Bedeutung der deutschen evangelischen Missionseinrichtungen und Siedlungen zurück. Spätestens mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ihre Arbeit eingestellt.
Der Stuttgarter Fotograf Paul Hommel (1880-1957) bereiste seit 1927 mehrfach Palästina. Ihn interessierten nicht nur die heiligen Stätten des Landes, sondern auch die einheimische Bevölkerung, die zionistische
Bewegung und insbesondere die deutschen Kolonien und Missionseinrichtungen, in deren Auftrag er Postkartenserien herstellte. Hommel machte Tausende Fotografien und nur durch Zufall überlebte
ein Großteil dieses wertvollen Bildmaterials. Es gelangte über den Nachlass Hermann Schnellers, ein Enkel des Gründers des
Syrischen Waisenhauses und letzter Direktor dieser Einrichtung in Jerusalem, in das Landeskirchliche Archiv Stuttgart. Aus diesem Bildbestand stammen die hier gezeigten Aufnahmen. Diese Fotografien über die deutsche christliche Tätigkeit in Palästina entstanden in einer Zeit, in der sie sich bereits im Niedergang befand. Sie dokumentieren
aber den Gebäudebestand, über den die Missionseinrichtungen und Siedlungen in ihrer Blütezeit um 1900 verfügt hatten.

Beduinenfamilie aus Sellame bei Jaffa